LZ, Samstag, 1. Februar 2020                                        STADT LANDSHUT


 1985 hat Gerhard Daniel die Rolle des Spielleiters übernommen. Bald möchte er nur noch

Laienschauspieler sein.

 

DIE LZ TRIFFT . . . GERHARD DANIEL

Seit 35 Jahren ist er der Theatermacher

 

Mit dem Stück „Der Wittiber“ beendet Daniel seine Tätigkeit als Spielleiter beim Theater Hofberg

 

Es ist das Jahr 1985: Ronald Reagan ist US-Präsident, Live-Aid geht über die Bühne, Boris

Becker gewinnt Wimbledon als jüngster Sieger aller Zeiten – und Gerhard Daniel wird

Spielleiter beim Hofberg Theater. Wenn man sich die Ereignisse so ansieht, kann man wohl

sagen: lang ist das her. Wer mit Daniel spricht, über all die Jahre, der merkt es auch. Denn

was das Hofberg Theater in diesen dreieinhalb Jahrzehnten alles gespielt hat, liest sich

eindrucksvoll. Von Claudia Hagn Noch eindrucksvoller wird es aber dann, wenn man sich

die gesamte Hofberg-Chronik ansieht: 70 Jahre existiert das Theater bereits. Gerhard Daniel

hat die Hälfte dieser Existenz als Spielleiter mitgeführt; doch mit dem diesjährigen Stück

„Der Wittiber“ von Ludwig Thoma aus dem Jahr 1911 hört er auf. Warum ? Weil 35 Jahre

genug sind, sagt er beim Gespräch im Fundus in Schönbrunn. Nicht ohne Lächeln.

Dabeibleiben werde er ja dennoch. „Aber ich will einfach mal nur so auf der Bühne stehen.

Und mir von der Regie sagen lassen, was ich gut oder falsch mache. Und es ist bestimmt mal

schön zu spielen, ohne verantwortlich zu sein“. Verantwortlich war Daniel für vieles in den

vergangenen 35 Jahren: Er hat Regie bei 32 großen Inszenierungen geführt und bei 221

abendfüllenden Aufführungen die Spielleitung übernommen. Wie viele Leute ihm und

seiner Mannschaft dabei zugesehen haben ? Um die 60 000 werden es wohl gewesen sein,

hat Daniel ausgerechnet. Auch Landshuter-Hochzeits-Fans werden ihn kennen: Als

Gruppenführer bei den „Fahrenden Komödianten“ war er bei acht Hochzeiten dabei. An

welche Aufführungen des Hofberg Theaters er sich besonders erinnert ? Da muss er nicht

lange überlegen. Zum einen an die Erste im Zeughaus. Von 1980 bis 2005 hatte das Hofberg

Theater seine Heimat im Rathausprunksaal, ab dann ging es ins Zeughaus an der Wittstraße.

„Wir haben als erstes Stück dort ‚Wob baba luba – Landshuter Geschichten aus den 50er

Jahren‘ gespielt. Das war der Wahnsinn“, sagt Daniel. Vor der Aufführung ließ er sich eine

Glatze rasieren Und dann erzählt er noch die Geschichte davon, wie er sich einmal für eine

Aufführung eine Glatze rasieren ließ, ganz kurz vor seinem Auftritt. Als er dann die Bühne

betrat, saß seine Mama auch im Publikum und sagte ganz laut: „Um Gottes Willen !“ „Ich

höre sie heute noch. Und jedes Mal, wenn ich jetzt auf eine Bühne gehe, muss ich an meine

Mama, die 2013 gestorben ist, denken.“ Übernommen hat Daniel sein Amt 1985 von Kurt

Ebert. Das Hofberg Theater, damals dem TuS Berg angegliedert und jetzt ein Teil des SC

Berg, spielte unter der Leitung von Ebert ab 1950 erste kleine Stücke zu Vereinsfeiern, aus

Lust und Laune heraus. Irgendwann wurde es abendfüllend, zuerst in der Ochsenwirthalle,

dann in der Aula der Grundschule Berg. „Aber dann hieß es: ‚Wir müssen a mal in die Stadt

runter!’“, sagt Daniel. Der Leiderer-Festsaal, einem alten bayerischen Wirtshaus an der

Papiererstraße mit 500 Plätzen, war dann lange die Heimat des Hofberg Theaters. „Und

hinter der Bühne gab es eine Hardrock-Disco, da hörte man teilweise den Bass durch“,

erinnert sich Daniel. Ein Kartenvorverkauf war damals noch nicht üblich, die Leute kamen

einfach drei Stunden vorher, spielten Karten und warteten auf die Vorstellung. Als dann der

Leiderer abgerissen wurde, zog die Bühne in den riesigen Rathausprunksaal.

„Bombastisch“, nennt Daniel die Atmosphäre dort – aber auch manchmal problembehaftet.

Eben wegen der Größe des Saals, wegen der Terminfindung und des fehlenden Vorhangs.

„Einmal haben wir ein Stück vom Viktualienmarkt gespielt und die gesamte Bühne

vollgestellt. Die Spitze des alten Peters reichte bis an die Decke des Saals.“ Das war zwar eine

Schau; aber auf Dauer alles nicht zu stemmen. 2005 fand das Hofberg Theater deshalb eine

neue Heimat im Zeughaus bei den Förderern. Und da spielen die Schauspieler vor jeweils

196 Zuschauern und oft ausverkauftem Haus heute noch. Ihre Fans kommen teilweise sogar

aus München und dem Bayerischen Wald. Die Hofbergler proben in der heißen Phase zwei

mal die Woche über drei Monate. Beim aktuellen Stück sind es rund 50 Mitwirkende vor

und hinter den Kulissen; sie opfern viel Zeit für ihr Hobby. Gerhard Daniel ist wichtig, dass

jeder, der bei einer Laienbühne mitmachen will, auch darf. Dass auch die, die wohl nicht

unbedingt die neuen Sterne am Theaterhimmel werden, Rollen bekommen. Dabeisein ist

alles. „Man muss die Leute fördern. Wenn sie dafür brennen.“ Mit dem „Wittiber“ schließt

sich für Daniel der Kreis Daniels letztes Stück als Spielleiter wird der „Wittiber“ von Thoma

sein. Weil sich Daniel das gewünscht hat; und weil es zum Abschluss seines Wirkens auch

mal etwas anderes sein soll. Das Hofberg Theater ist nämlich bekannt für seine Komödien –

der Wittiber hat zwar auch seine lustigen Momente, aber eben auch seine dramatischtraurigen.

„Das Stück habe ich mir gewünscht. 1995 haben wir es schon mal gemacht – da

habe ich den Jungen gespielt. Jetzt spiele ich den Alten, der Kreis schließt sich“, sagt Daniel.

Es ist für ihn eines der besten Stücke, die es gibt, über eine Bauersfamilie um die

Jahrhundertwende. Zum ersten Mal gibt es im Hofberg Theater auch Live-Musik auf der

Bühne. Premiere ist am Freitag, 6. März, mit einer geschlossenen Veranstaltung. Am

Samstag, 7. März, folgt dann die offene Premiere für alle. Einen direkten Nachfolger für

Daniel gibt es noch nicht: Drei Theatermitglieder werden wohl seinen Job übernehmen,

aufgeteilt in drei Sparten: Verwaltung, künstlerischer Bereich und Technik. Mitspielen wird

Gerhard Daniel natürlich weiterhin beim Hofberg Theater. Schließlich ist auch seine

gesamte Familie dabei: seine Frau, sein Sohn, seine Tochter, sein Schwiegersohn, sein Enkel

sowie die Freundin seines Sohns. Und wahrscheinlich kann Daniel auch gar nicht ohne sein

Theater. Wo auch weiterhin traditionell nach jeder Aufführung das Hofberg-Lied gesungen

werden wird. Weil es einfach dazugehört. Seit 70 Jahren. Info Karten für das neue Stück des

Hofberg Theaters „Der Wittiber“ gibt es ab dem 1. Februar täglich von 18 bis 19 Uhr unter

Telefon 0151-21350818 oder unter www. hofberg-theater.de.