Landshuter Wochenblatt, Mittwoch 1. November 2006:
 
Die Zeitmaschine – ein riesiger Hit
Pettycoat und Blue Suede Shoes: Das Hofberg Theater reitet mit den 50ern auf einer Erfolgswelle.

Ein bisserl skeptisch war der Beobachter schon, als das Hofberg Theater ankündigte, künftig im Zeughaus zu spielen. Schließlich war der Rathaus-Prunksaal so was wie die angestammte Heimatbühne. Rund ein viertel Jahrhundert war man im Rathaus daheim. Ob der Wechsel gelingen würde?

Er gelang! Und mehr als das: Die Premieren-Inszenierung an der neuen Spielstätte im Zeughaus wurde zum Triumph für Intendant Gerhard Daniel und sein Ensemble. Sechs Aufführungen waren angesetzt – und restlos ausverkauft. Eine Zusatzvorstellung am Samstag, 4. November, um 15 Uhr musste her – und auch die war nach wenigen Stunden schon wieder ausverkauft. „Und wir könnten noch zwei Vorstellungen ausverkaufen”, freut sich Daniel.

„Die 50er Jahre sind gefragt”, weiß der Intendant – schließlich erzählt das Stück aus einer Zeit und von einem Lebensgefühl, welche viele Landshuter noch selbst erlebt haben: Der Krieg war vorbei, das Wirtschaftswunder in vollem Gange und Elvis in Deutschland stationiert. Little Richard brachte mit „Tutti Frutti” und seinem „Wob-baba-luba“ die Petticoats zum Fliegen.

Und das Theater Hofberg fliegt – oder besser: schwebt – auf dem gigantischen Erfolg: Auch Autor Peter Landstorfer beschied den Hofbergern, eine hervorragende Inszenierung auf die Beine gestellt zu haben. Und dem Publikum gefällt’s: „Wir haben fast doppelt so viele Karten verkauft wie im Vorjahr”, erklärt Regisseur Daniel stolz. Die Warteliste umfasst stolze drei Seiten.

Doch die dürfen sich nur geringe Chancen ausrechnen, das Stück um die Landshuter Halbstarken „Casablanca“, „Luggestrick“, „Frisierer-Biwi“, „Riwa vom Rio“ und „Stich-Steffi“ zu sehen. Denn nach dem kommenden Wochenende ist definitiv Schluss mit den „Landshuter G’schichten”: „Wir sind Amateure und haben ja noch einen Beruf. Die Leute haben schon extra am Montag für die Abbauarbeiten Urlaub genommen. Es ist fast nicht machbar, das zu verschieben.” Also hat man beschlossen, es mit sieben Aufführungen gut sein zu lassen.

Jetzt muss man sich erst einmal mit den Förderern zusammensetzen und für nächstes Jahr planen. „Wir haben das Gefühl, im Zeughaus endlich nach Hause gekommen zu sein”, ist Daniel begeistert von der Bühne: Der Großparkplatz direkt nebenan, die intime Atmosphäre und Nähe zum Publikum – „der Umzug war die beste Entscheidung, die wir je getroffen haben.”

Was es nächstes Jahr im Zeughaus zu sehen gibt, will der Intendant allerdings noch nicht verraten. Einerseits sei es reizvoll, den Weg weiter in die 60er zu gehen – wenn man ein passendes Stück findet. Oder man bricht ganz aus, geht in eine vollkommen andere Richtung. „Wir wollen schon auch immer unser Publikum überraschen.”

Wenn die Überraschung so mitreißend ausfällt wie mit „Wob-baba-luba“, dürfen das die Hofberger auch gerne und noch ganz oft.

Stefan Becker